Zweierlei Maß

10 Jul

Fassungslos schaut man auf den förmlich in letzter Minute getroffenen Entschluss, die ursprünglich geplante Provisionsoffenlegung der Lebens-und Rentenversicherungen unter den Tisch fallen zu lassen.

Es ist schon interessant, wie flach, um nicht zu sagen, wie primitiv, die Argumentation gegen die Transparenz auf Cent und Euro genauen Ausweis der Provisionshöhe war. Auszug aus einer Stellungnahme des GDV:

„Wenn die Provisionen offen liegen, dann könnte der Kunde womöglich Abstand davon nehmen, den Vertrag abzuschließen. Beim Vertrag fehlt dann die Unterschrift. Viele Vermittler werden arbeitslos. In Deutschland werden nicht mehr genügend Versicherungen verkauft. Die Menschen betreiben dann keine Altersvorsorge mehr“.

Und wo waren eigentlich all die Gegner dieser Transparenz, wie beispielsweise Gewerkschaften und Verbände, als die gleichen und noch härtere Anforderungen im Wertpapiergeschäft eingeführt wurden?

Es ist schon erschreckend, mit welch zweierlei Maß in der deutschen Finanzindustrie bisweilen gemessen wird und wie wenig den Gesetzgeber der Verbraucherschutz interessiert, wenn seine eigene Refinanzierung über Bundesanleihen bedroht wird.

6 Millionen Lebens- und Rentenversicherungen, „geriestert“ und „ungeriestert“, sollen dem Vernehmen nach im vergangenen Jahr vertrieben worden sein. Die Provisionshöhe geht in die Milliarden. Würde jeder Käufer die Provisionshöhe und damit die Motivation seines Beraters, wir sprechen wohl besser von Vermittler, kennen, wären es wahrscheinlich deutlich weniger gewesen und mancher hätte doch noch einmal nach einem Fondssparplan gefragt.

 

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