Glaubensfrage

19 Aug

Kapitalerträge unterliegen seit dem Januar 2009 einem 25-prozentigen Abgeltungssteuersatz zuzüglich Solidaritätszuschlag.

Unter Anrechnung des Sparerpauschbetrages (801 Euro je veranlagte Person) werden die Steuern an der Quelle („Quellensteuer“) vom Institut direkt eingezogen und an das Finanzamt abgeführt.

Wer einer Religionsgemeinschaft im Sinne einer Körperschaft des öffentlichen Rechts angehört, unterliegt zudem der Kirchensteuer. Er zahlt auf die Einkommenssteuer, in diesem Fall die Abgeltungssteuer in Bayern und Baden Württemberg noch einmal 8%, in den übrigen Bundesländern 9%.

Gängige Praxis der vergangenen Jahre war es, den Instituten als Anleger die eigene Konfession mitzuteilen und sie zu beauftragen, die Kirchensteuer zusammen mit der Abgeltungssteuer abzuführen. Alternativ konnte auf das Verfahren auch verzichtet werden, wenn die Kapitaleinkünfte im Rahmen der Steuermitteilung deklariert wurden.

Das scheint mancher nicht so genau genommen zu haben. Schätzungen zufolge geht nur jeder siebte Deutsche steuerehrlich mit dem Sachverhalt und dem Meldeverfahren um. Daraus erwächst den Kirchen, so wird unterstellt, ein jährlicher Schaden in Höhe von rund 480 Millionen Euro.

Dass soll sich zukünftig ändern. Die Finanzinstitute sollen zu diesem Zweck ab sofort die Zugehörigkeit ihrer Anleger zu einer zugelassenen Religionsgemeinschaft beim Bundesamt für Steuern in Bonn regelmäßig abfragen und unter Anrechnung der Sparerpauschbeträge gegebenenfalls anfallende Steuern direkt abführen. Dem Prozedere kann via so genanntem „Sperrvermerk“ widersprochen werden, allerdings verpflichtet sich der Anleger dann zur Abgabe einer Steuererklärung unter Berücksichtigung der Kapitalerträge.

Wie heißt es bei Matthäus 6 so schön:

Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf dass dein Almosen verborgen sei; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten öffentlich.“

Wer aus der Kirche austritt, macht das im Regelfall nicht nur an der anteiligen Zusatzbesteuerung seiner Kapitaleinkünfte fest. Ich erwarte deshalb auch keine zusätzlichen Austrittswellen sondern sehe hier eher eine ordnungssystematische organisatorische Änderung, der die meisten verbliebenen Mitglieder von Religionsgemeinschaften durch Duldung indirekt zustimmen werden

 

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