„AltvPIBV“ – Altersvorsorge-Produktinformationsblattverordnung

23 Aug

Ein Entwurf zur Altersvorsorge-Produktinformationsblattverordnung erhitzt die Gemüter in der Versicherungs- und Asset Management-Industrie.

Der Gesetzgeber möchte mehr Transparenz. Zu diesem Zweck sollen Anbieter staatlich geförderter Altersvorsorgeprodukte (Riester/Rürup) ihre Verwaltungskosten zukünftig zusätzlich als Jahresbetrag in Euro für das erste volle Kalenderjahr nach Vertragsabschluss ausweisen und auch für die Preis-Leistungsvergleiche mit „effektiven Kosten“ rechnen.

Problem aller fondsgebundenen Lösungen: die laufenden Kosten werden auf der Fondsebene in Prozent des Nettoinventarwertes variabel beschrieben, lassen sich angesichts schwankender Anteilwerte ex-ante nicht kalkulieren.

Wollte man dem Ansinnen nachkommen, müssten die Anbieter Schätzungen abgeben (Basis TER zzgl. Unsicherheitsfaktoren), die im Zweifelsfall zu hoch angesetzt sind (um tatsächliche Kosten später belasten zu können) und die Produkte unverhältnismäßig teuer erscheinen lassen. Dabei sind insbesondere Erfolgsbeteiligungen in die Kritik geraten.

Schon fordern erste Versicherer Anteilklassen ohne Performance Fees. „Zweiklassengesellschaft“, Abschaffung der Erfolgsbeteiligungen? Manches Investmenthaus steht unter Druck.

Ginge es nur um die Frage, welche Konsequenzen für das Riester- und Rürup-Geschäft erwachsen, wäre die Sache schnell entschieden. Fondsgestützte Riester-Lösungen gibt es ohnehin nur in zwei Fondshäusern in nennenswertem Umfang und „Rürup“ erweist sich bisher als Ladenhüter.

Der Verzicht bliebe für viele ohne Einbußen. Wäre da nicht der Umstand, dass einige Versicherer die Diskussion auch auf Fondspolicen und Eigenanlagen auszuweiten suchen, was schon größere Teile des Neugeschäfts betreffen könnte.

Die Kostenbegrenzung bei Riester- und Rürup-Renten ehrt den Gesetzgeber – tut vielleicht auch not. Der Fixkostenausweis mag charmant erscheinen. Er setzt aber falsche Leistungsanreize und würde zur Vermeidung einer Zweiklassengesellschaft (Versicherer und andere Investoren) den Umbau der gesamten Gebührensystematik von Publikumsfonds nach sich ziehen.

Will man das wirklich?

 

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