„Do it yourself“ -Generation? Jüngere Menschen und die Auswahl der Geldanlage

26 Sep

Jüngere Menschen (unter 35 Jahren) nehmen im Zuge ihrer Anlageentscheidungen das Heft allem Anschein nach immer häufiger selbst in die Hand.

Diesen Gedanken legt zumindest eine Umfrage des Deutschen Instituts für Portfolio-Strategien (dips, http://www.fom-dips.de/forschung/veroeffentlichungen-des-instituts/2014.html) nahe:

Danach trafen in 2013 mehr als 60% der 651 Befragten und damit 11% mehr als noch ein Jahr zuvor, ihre Anlageentscheidungen ohne Beratung.

Nur 22% folgen den Empfehlungen von Banken, 9% denen unabhängiger Berater; – Tendenz fallend, zumindest in den vergangenen Jahren.
38% könnten sich vorstellen, für eine unabhängige Beratung ein Honorar zu bezahlen. 67% setzen ihre Entscheidungen online um.

Ein Jahr zuvor gaben lediglich 44% an, ihre Kapitalanlage-Geschäfte im Internet zu tätigen.

Erfreulicherweise lässt die Umfrage einen sich verstärkenden Trend hin zur Aktienanlage erkennen (rund 50% sind investiert) und zeugt von höherer Akzeptanz indexbezogener Fonds.

Die Tatsache, dass Dreiviertel der Befragten über ein Tagesgeldkonto verfügen, spricht in diesem Zusammenhang für strukturierte Anlageentscheidungen im Sinne einer „Hantelstrategie“: – sehr konservative Basis in Kombination mit chancenorientiertem Vermögensaufbau.

Was wird in diesen Tagen nicht alles über die Jugend geschrieben:
„stink konservativ“ soll sie angeblich sein, „ignorant“ und „oberflächlich“…

Diese Studie legt einen anderen Eindruck nahe. Sie zeigt, dass nennenswerte Teile der Jugend sehr viel informierter, selbstbewusster und eigenständiger an das Thema Kapitalanlage und Finanzen herangehen, als die Generation vor ihnen.

Ausschlaggebend dürften dafür vor allem zwei Faktoren sein: der Erkenntnisgewinn aus den Erfahrungsschätzen anderer Anleger in früheren Zeiten (Verwandte, Freunde und Bekannte), sowie der Gedankenaustausch und die Informationsverarbeitung aus Internetmedien und dem Social-Web.

Dabei zeigt sich ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber Beratungseinrichtungen und dem Nutzen, den sie stiften können.

Verstärken sich diese Trends weiter, sind das keine schlechten Meldungen für die Vermögensbildung der Deutschen und den so genannten „mündigen Anleger“, um den sich der Gesetzgeber im Zuge seiner Überregulierungen gerne sorgt. Die nächste Generation, schon mit „Online-Banking“ und „Chat-Rooms“ groß geworden, hat die Notwendigkeit der Vermögensbildung und Vorsorge anscheinend vielfach verstanden und denkt eigenständiger mit, als ihr unterstellt wird.

In der „Finanzdienstleistungsindustrie“ sollten hingegen alle „Alarmglocken“ klingeln.

Sie ist gut beraten, die Studienergebnisse für den Fall, dass sie repräsentativ sind, sehr ernst zu nehmen. Wer jetzt noch nicht begriffen hat, dass die Zukunft der Finanzinformation und des Retail-Vertriebs zu sehr wesentlichen Teilen im Internet liegt, verschließt die Augen vor der Wirklichkeit.

Der Markt für Finanzdienstleistungen wird zunehmend transparenter. Die Schwarmintelligenz des Internets und sozialer Plattformen setzt die Branche unter Druck. Der Verkäufermarkt „Finanzdienstleistungen“ wandelt sich mit immer größerer Geschwindigkeit zum Käufermarkt, – mit allen Begleiterscheinungen:

Performance-Sensibilität, Kosten- und Servicebewusstsein, hohe Ansprüchen an Reaktionszeiten und Integrität handelnder Personen und Institute.

Darauf sollte man vorbereitet sein, – und die wenigsten Marktteilnehmer sind es!
Es ist noch nicht zu spät, Geschäftsmodelle, Absatz- und Kommunikationswege zu überdenken