„Die PIMCOs“ – Abgang von Bill Gross erinnert an „Daily Soaps“

29 Sep

Jeden Tag wechseln irgendwo auf der Welt tausende von Angestellten ihren Arbeitgeber und orientieren sich beruflich neu. Grenzt man das Universum auf die globale Fondsindustrie ein, dürften es jeden Monat immer noch ein paar hundert sein. Die wenigsten dieser Veränderungen sind der Kommentierung wert.

Diese aber schon: wie gerade bekannt wurde, verlässt der „Anleihenkönig“ Bill Gross nach 43 jähriger Tätigkeit, das von ihm mit begründete Unternehmen PIMCO und heuert beim Wettbewerber Janus Capital an.

Ist der erste Teil der Meldung schon bemerkenswert, aber mit Blick auf das Alter (70) und den in der Öffentlichkeit im Jahresverlauf ausgetragenen „Hauskrach“ nicht ganz unerwartet, veranlasst einen der zweite Teil wirklich zum staunen.

Schliesslich müßte Gross, dessen Vermögen auf über zwei Milliarden US-Dollar geschätzt wird (Forbes), nicht mehr arbeiten und hat in der Finanzindustrie alles erreicht, was man sich vorstellen kann.

Der Wechsel zu Janus legt vor diesem Hintergrund in den Augen des Betrachters bis auf weiteres den Verdacht des „Trotzverhaltens“ und der „Retourkutsche“ nahe. Frei nach dem Motto: „jetzt zeig ich es Euch!“

Und dieser Eindruck, dass muss man als Außenstehender ohne Detailkenntnis zunächst einmal sagen dürfen, passt zu dem von Mitarbeitern und Managern des Unternehmen PIMCO in den vergangenen Monaten propagierten Bild des „schwierigen und exzentrischen Menschen“, dessen Führungsstil kritisiert wurde.

Die Reichweite der Personalie mag man daran ablesen, dass der Kurs der Allianz Aktie (PIMCO-Eigentümer) binnen kürzester Zeit um sechs Prozent nachgab, die Janus Aktie hingegen zwischenzeitlich um 30% zulegen konnte und die Seismographen an den Anleihemärkten im Umfeld der Meldung erhebliche Erschütterungen anzeigten. Derzeit wird darauf spekuliert, Gross Wechsel könnte sogartige Verschiebungen von Mandaten zwischen PIMCO und Janus nach sich ziehen.

Ob Gross, wie es in den Medien nun heißt, seiner Kündigung zuvorkam oder selbst die Initiative ergriff, sei dahingestellt. Dass Gross indes den richtigen Augenblick verpasst hat, sich auf dem Zenit seines Schaffens zur Ruhe zu setzen, ist zumindest in meinen Augen gewiss.

Völlig ungeachtet seiner jüngsten Performance-Leistungen, die vielen Investoren sauer aufstießen und sie zuletzt ihre Konsequenzen ziehen ließen.

Dieser Abgang, der im Frühjahr mit dem Ausscheiden des Co-Chefs Mohamed El-Erian seinen Anfang nahm, uns zwischenzeitlich darüber informierte „wer wen reich gemacht haben will“ und „wessen Dreck wegräumen mußte“, erinnerte zuletzt häufig genug an „Schmierenkomödien“ und „Daily Soaps“ und ist dem bisherigen Lebenswerk einer geachteten „Investmentlegende“ unwürdig.

Schalten Sie auch das nächste Mal wieder ein, für eine weitere Folge unserer beliebten Serie „Die PIMCOs“. To be continued…