Deutliche Worte!

10 Nov

„Erklären Sie Ihren Kunden, dass Volatilität scheißegal ist“

Diese Worte eines bekannten deutschen Vermögensverwalters und Fondsmanagers – vor einigen Tagen vor großem Publikum versammelter Beraterschaft geäußert – gehören nach meinem persönlichen Dafürhalten weniger auf die sprichwörtliche Goldwaage, wo sie leicht missverstanden werden könnten, als vielmehr in die Ausbildungs- und Beratungsmappen der gesamten deutschen Finanzdienstleistungsindustrie.

Der Mann hat recht, wenn er fordert, dass Volatilität mehr als Chance, denn als Risiko verstanden werden muss und dass es nahezu „bescheuert“ sei, Absolute-Return-Fonds allein über den Kapitalerhalt rollierender 12 Monatszeiträume zu definieren.

Gemeint ist eben jene „Volaphobie“, jene Aversion gegen Kursschwankungen, die deutsche Anleger seit Jahrzehnten um den nominalen Kapitalerhalt besorgt, auf längere Sicht ihre reale Kaufkraft und die Ertragsziele aus den Augen verlieren lässt.

Wer im Niedrigzinsumfeld mittel- bis langfristig attraktive Renditen nach Inflation, Steuern und Kosten erzielen will, kommt nicht umhin, opportunistischer zu agieren, was sich naturbedingt auf die Volatilität auswirkt.

Um die Schwächen der menschlichen Psyche wissend, hält der Manager für Anleger und Berater die einfachste Form der Glättung von Kursschwankungen auch gleich griffbereit:

„Wissen Sie, wie sie die Volatilität ganz einfach senken können? Schauen Sie einfach nur noch einmal im Monat oder noch besser, nur noch einmal im Jahr hin“

„So kann man das nicht sagen und schon gar nicht so einfach, ohne Einordnung in den Zusammenhang, ohne Relativierung“!
wird mancher Leser jetzt denken und vielleicht auch der eine oder andere Zuhörer im Auditorium gedacht haben.

Doch genauso deutlich, ungeschminkt und nicht relativiert, muss man das vielleicht sagen, damit es wenigstens tendenziell verstanden und gelebt wird. Wie heisst es doch so schön: „Manchmal muss man in dicken roten Strichen malen, damit wenigstens dünne rosa Linien wahrgenommen werden“.

Ich wünsche mir mehr deutliche Worte auf Bühnen.