Politische Börsen haben kurze Beine

20 Nov

„Politische Börsen haben kurze Beine“

…ist für die einen eine Börsenweisheit, für die anderen eine Platitüde.

Die gestrige Diskussion anlässlich „Tacheles 2014 -Das Investmentgespräch“ (Informationen zu dieser Veranstaltung) einfach auf diese Essenz reduzieren zu wollen, würde der Runde (Prof. Dr. h.c. Horst Teltschik, Michael Ortmann, Dr. Christoph Bruns, Achim Stranz und Hans-Jörg Naumer) nicht gerecht.

Wenngleich man sagen muss, dass manche Äußerung zum Ukraine-Konflikt von einer an den Ruhepuls erinnernden Gelassenheit gekennzeichnet war.

Die Ukraine mag geopolitisch im Augenblick problematisch erscheinen, die Sanktionspolitik das Ost-West-Verhältnis ebenso schwer belasten wie das Säbelrasseln Russlands. – Früher oder später, da war man sich einig, wird man sich davon unberührt einigen müssen.

„Alle haben daran ein Interesse!“ Entscheidend kommt es lediglich darauf an, wie verhandelt wird und was sich beide Seiten an Angeboten und Zugeständnissen bieten, um gesichtswahrend einlenken zu können.

Das mag seine Zeit brauchen, am Ende dürfte Russland sich der europäischen Gemeinschaft aber näher verbunden fühlen, als der asiatischen. Auch dann, wenn jüngste taktische Schachzüge Putins bisweilen einen anderen Eindruck entstehen lassen. Eine militärische Eskalation erwartet keiner.

Weitaus problematischer und langwieriger schätzen die Experten da schon die nach ihrer Ansicht unberechenbaren Unruheherde der arabischen und nordafrikanischen Welt ein. „Ein Pulverfass“, so der Tenor, das zudem in Form der Türkei das Potenzial für einen Bündnisfall bietet, der die NATO-Staaten in die Gemengelage mit hineinziehen könnte.

Denkt man über geopolitisches Konfliktpotenzial der Zukunft nach, muss man nach Ansicht der Runde aber nicht immer unbedingt in die Ferne schweifen. Verteilungskämpfe um Rohstoffe, Lebensstandards und Privilegien können ganze Gesellschaften belasten, Nationen spalten und neue Formen der „Völkerwanderungen“ mit sich bringen, die organisiert sein wollen.

Die Politik ist dabei in ihren Augen gut beraten, weitsichtiger zu denken und zu handeln, als in der Vergangenheit.

Geopolitische Krisen, so das Fazit der Runde, müssen in ökonomischen Überlegungen Berücksichtigung finden, sollten aber nicht überbewertet werden. Schließlich wollen die Krisen auch als antizyklische Investitionschancen verstanden werden, die leider all zu oft ungenutzt verstreichen.

Zudem sollten Börsianer immer auch Optimisten sein…