Pädagogischer Fehlschlag

16 Jan

Die erzieherische Wirkung negativer Einlagezinsen, die seitens der EZB verfolgt wird, bleibt bis auf weiteres gleich in mehrfacher Hinsicht zweifelhaft.

So zeigt sie beispielsweise bei den Banken, die zu einer stärkeren Kreditvergabe angehalten werden sollten, bisher wenig Wirkung.

Die Institute parken im Zeitalter der Globalisierung, wie nicht anders zu erwarten, Ihre Gelder außerhalb der Eurozone. Schließlich werden dort noch positive Zinsen gezahlt, wenngleich marginale.

Ähnlich verhält es sich mit professionellen und privaten Großanlegern, denen die negativen Einlagezinsen nur sporadisch durchgereicht werden und denen diverse Handlungsalternativen verbleiben. Die Privatanleger, vom Negativzins bislang nicht betroffen, sparen unverändert viel und wenig effektiv.

Damit nicht genug, belastet das um negative Zinsen bereicherte Niedrigzinsumfeld weiterhin die Geschäftsmodelle der Banken und der kapitalgebundenen Versicherungsindustrie auf das äußerste.

Sind denkbare Rationalisierungsmaßnahmen abgeschlossen, geht es ans sprichwörtliche Eingemachte und damit leider auch an die Ein- und Rücklagen der Bürger.

Schlimmer noch als der negative Zins als solcher, wirkt sich dabei seine Einbettung in das regulatorische Umfeld aus – beispielsweise in die Anforderungen an Eigenmittelausstattungen und die Notwendigkeit fragwürdigen Stresstests zu jeder Zeit genügen zu müssen.

Auf diesem Weg wird Vorsorgeeinrichtungen der natürliche Fluchtweg zu höheren Aktienquoten in der Asset Allocation abgeschnitten und werden diese Asset Manager indirekt, in Ermangelung von Zinseinnahmen, systematisch dazu verleitet, illiquide Sachwertbeteiligungen in ihren Portfolien zu stapeln.

Wenn das alles so gewünscht ist, läuft die Erziehung nach Plan und kann man die EZB nur beglückwünschen…