Transaktionspreise wie beim Juwelier?

19 Jan

Mancher Privatanleger, der seinen Notgroschen beim Direktbroker investiert, erhält allem Anschein nach bessere Transaktionskonditionen als einzelne, teils Milliarden schwere Publikumsfonds bei ihren Depotbanken.

Diesen Gedanken legt zumindest eine aktuelle Studie des Petersmann-Instituts zu den Transaktionskosten von Publikumsaktienfonds nahe, bei der die Höhe dieser Kosten kritisiert wurde.

Um nicht polemisch zu werden: Transaktionskosten von Fonds sollten natürlich stets im Zusammenhang mit der Umschlagsgeschwindigkeit der gehaltenen Wertpapiere und dem daraus gestifteten Nutzen betrachtet werden. Schließlich kommt es darauf an, was unter dem Strich für den Anleger herauskommt. Und niemand ist letztendlich ja gezwungen, in einen bestimmten Fonds zu investieren.

Wer meint, Anleger seien hinsichtlich der Kostenbelastungen aktiv gemanagter Fonds generell unsensibel, ignoriert die weitreichende Fondsabstinenz deutscher Sparer und den rasanten Aufstieg passiver Investments, etwa der Exchange-Traded Funds. Sie wirken als Regulativ und bringen den Protest in Sachen Kosten-Nutzen-Relation deutlich zum Ausdruck.

Inwieweit sich viele weniger aufgeklärte Fondsanleger einer unbewussten Rasur ihrer Roherträge hingeben und einzelne „Kostentreiber“ der aktiven Fondsmanagement-Landschaft einen Bärendienst erweisen, wäre davon unberührt zu diskutieren. Am besten in der Weise, als man die Kosten so transparent wie möglich macht und die Aussagekraft einzelner Kennzahlen hinterfragt, die zur Vereinfachung der Kostenbetrachtung geschaffen wurden – heißen sie nun „TER“, „All-In-Fee“ oder anders.

Einheitliche Standards sind wünschenswert, für die sich der Gesetzgeber, der oft überregulieren mag, zurecht stark macht. So könnten alle Anleger die gleiche transparente Entscheidungsgrundlage erhalten – und obendrein einzelne Anbieter vom hoffentlich unbegründeten Verdacht befreit werden, Erträge im Konzernverbund oder mit strategischen Partnern zu verschieben.

(Erschienen am 17.01.2015 in der Euro am Sonntag)