Systematische Fehlberatung?

17 Mrz

Werden die Bundesbürger in Geldfragen systematisch und flächendeckend falsch – weil zu defensiv – beraten? Bestätigen die berühmten Ausnahmen lediglich die Regel? Der Verdacht ist für viele Beobachter ebenso ungeheuerlich wie naheliegend.

Und die Stimmen, die ihn äußern, werden lauter. Sie künden von Millionen, die als Gefangene alter Denkschemata in die Zinsfalle tappen oder geschickt werden und ihre Vermögen einer schleichenden finanziellen Repression aussetzen.

Die Kritiker sehen diese Entwicklung noch von daher begünstigt, als öffentlich geführte Kapitalismusdebatten das Bild des Unternehmertums und der Investitionen überkritisch verzerren, von woher jegliche Hoffnung auf eine Aktienkultur im Keim erstickt wird.

Obendrein sind viele beratende Institutionen angesichts drohender Haftungsrisiken und überbordender regulatorischer Aufwände derart eingeschüchtert, dass sie zumeist jene Empfehlungen favorisieren und aussprechen, die aus ihrer Sicht mit der geringsten Komplexität und dem kleinsten Risiko einhergehen.

Diese Entwicklung sollte überdacht werden. Andernfalls ist die aus ihr resultierende Vermögensstruktur der Bundesbürger wenig dazu geeignet, im anhaltenden Niedrigzinsumfeld die Kaufkraft der bestehenden Vermögen zu sichern, geschweige denn die drohenden Versorgungslücken im Alter mittel- bis langfristig zu schließen.

Der Gesetzgeber kann einen Beitrag dazu leisten, indem er sich einer gesunden Form des Pragmatismus im Beratungsalltag nicht verweigert und aufhört die Wettbewerbssituation unterschiedlicher Anlageformen einseitig zu beeinflussen.

Die Fondsindustrie und die Medien können ihrerseits noch mehr Aufklärungsarbeit leisten und an Risikodefinitionen arbeiten, die über die Quotierung von Aktien und das Verteufeln der Volatilität hinausgehen.