Drama in drei Akten

11 Mai

1. Akt des Dramas: wir sehen Privatanleger auf der Bühne, die sich nach herben Kursverlusten und panischer Flucht aus den Kapitalmärkten die Wunden lecken und wehklagen. Zu spät waren sie, unter Außerachtlassung von Diversifikationsstrategien vom Medienlärm aufgeschreckt der Herde gefolgt und auf den fahrenden Börsenzug aufgesprungen; – Im Kursrutsch (Korrektur, Crash oder Baisse) verleugneten sie ihre Anlagehorizonte und verloren die Nerven.

2. Akt: Die Kurse der Aktien durchschreiten die Talsohle. Börsenkenner kaufen antizyklisch ein oder nach, verbilligen frühere Einstiegspreise. Die Privatanleger wenden sich mehrheitlich ab und herkömmlichen Sparformen zu. Sie sind froh, das letzte mal mit dem „Leben“ davon gekommen zu sein.

3. Akt: Die Hausse läuft auf vollen Touren, erfahrene Investoren nehmen erste Gewinne mit. Die Privatanleger schielen wieder auf die Aktienmärkte, ärgern sich, nicht schon früher dabei gewesen zu sein. Sie liebäugeln mit Käufen und tanzen in der letzten Szene, von historischen Renditen und Charts geblendet, wieder mit um das goldene Kalb.

Das Stück und viele Darsteller sind immer die gleichen. Nimmt man im sechsten Jahr der Aktien-Hausse zur Kenntnis, dass Aktien-ETF im allgemeinen und Biotechnologie- und Chinafonds im speziellen bei den Selbstentscheidern derzeit zu den gefragtesten „Spielarten“ zählen, lässt sich unschwer erahnen, in welchem Abschnitt der Aufführung wir uns aktuell befinden.

Zeit für eine Regieanweisung: Unerfahrene Investoren sollten vor einer größeren Korrektur derzeit nur schrittweise Aktienengagements aufbauen und bei indirekten Investments in vermögensverwaltenden Lösungen auf Manager setzen, die in der Vergangenheit hinsichtlich des Markt-Timings Fingerspitzengefühl bewiesen.

Dieser Artikel erschien am 10.05.2015 in der Euro am Sonntag