Wie die Commerzbank ihr Fondsangebot optimiert

27 Mai

„Optimierung der Wertschöpfungskette“ war die ersten Assoziation, die mir dieser Tage durch den Kopf ging, als ein Repräsentant der „Commerzbank Asset Management“ seinen Besuch ankündigte. Sicher, „Comstage“ als ETF-Anbieter war mir ein Begriff. Dass die Commerzbank, die ihre Investmentgesellschaft Cominvest (ehemals ADIG) 2009 im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank an die Allianz tauschte (Verschmelzung mit Allianz Global Investors), allerdings seit 2010 wieder aktiv gemanagte Publikumsfonds offeriert, war mir vordergründig so nicht bewußt. – Und auch manch anderem Marktkenner nicht, wie einige Telefonate schnell ergaben.

Schließen wir also die ggf. vorhandene Bildungslücke: Die Commerzbank bündelt in ihrer Tochtergesellschaft Commerz Funds Solutions S.A. (Luxemburg) ihre Fondsaktivitäten. Insgesamt werden derzeit rund 7,2 Mrd. Euro (AuM) verwaltet. Beschränkte sich das Angebot seit 2008 zunächst auf Mandate und börsengehandelte Indexfonds (ETF), wurde es seit 2010 auch um aktiv gemanagte Publikumsfonds erweitert. Die komprimierte Produktpalette bietet derzeit einige wenige Strategiefonds, unter anderem für Rohstoffe, Währungen und marktneutrale Strategien. Wurden die Fonds in den ersten Jahren zunächst erfolgreich in den Privatkunden-Filialen der Bank vertrieben, kann nun ein angemessener Track-Record nachgewiesen werden und will sich das Unternehmen jetzt spürbar auch abseits der eigenen Filialstrukturen Vertriebswege erschließen.

Ruft man sich in Erinnerung, was man unter einer Wertschöpfungskette versteht (sie stellt die Stufen der Produktion als eine geordnete Reihung von Tätigkeiten dar, die Werte schafft, Ressourcen verbraucht und in Prozessen mit einander verbunden ist), könnte die Gründung der Commerz Funds Solutions S.A. ebenso wie die Ausweitung ihrer Geschäftsfelder in den vergangenen Jahren auch dem Lehrbuch für Strategie und Taktik entsprungen sein.

Zunächst auf die Rolle des Haus-und Hoflieferanten der Allianz Global Investors beschränkt (wie man hört, zwischenzeitlich sogar per Vertrag mit Quoten gebunden), strebte man allem Anschein nach von vornherein an, die Filialen früher oder später (wie andere Konzerne auch) wieder mit hauseigenen Produkten bedienen zu können. Dafür wurden schon mit der Abgabe der Cominvest die strukturellen Voraussetzungen in Luxemburg geschaffen. Beschränkte man sich zunächst dem Zeitgeist folgend auf die Produktion passiver Fonds, was der AGI nicht weh tat, erweiterte man schrittweise um aktive Publikumsfonds und wagt nun sein „Coming Out“ außerhalb der Commerzbank-Filialen.

Je länger man darüber nachdenkt, hat das nicht nur etwas mit der Wertschöpfungskette zu tun (wer teilt schon gerne mehr Geschäfte und Margen mit anderen als nötig), sondern erinnert auch etwas an „Wiederaufrüstungsprogramme“. Vor diesem Hintergrund kann man erwarten, dass den vorhandenen Strategiefonds über kurz oder lang auch Multi-Asset-Lösungen folgen werden, was nicht ohne Auswirkungen auf die „Offene (Vertriebs-) Architektur“ der Bank bleiben dürfte.

 

Dieser Artikel erschien am 26.05.2015 auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit „Return: Der Investmentkommentar“ Ereignisse aus der Fondswelt.