600.000.000.000 US-Dollar

25 Jun

600 Milliarden Dollar – soviel Geld sollen Investoren per Saldo binnen neun Monaten (Juli 2014 – März 2015) aus den 15 größten Schwellenländern abgezogen haben (Quelle: NN Investment Partners). Die Abflüsse übersteigen mittlerweile das Ausmaß während der Finanzkrise 2008. Der „Liebesentzug“ will überdacht sein. 

Die Mittelabflüsse sind das Ergebnis einer ganzen Reihe von Faktoren, die mehr oder weniger zeitgleich zum Tragen kamen: Ernüchterung bezüglich der Wachstumseuphorie in den Emerging Markets und der Art ihrer Finanzierung, „Erkenntniszuwächse“ bezüglich der politischen Stabilität in einigen dieser Länder, vor allem aber die Angst vor einer restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank (Tapering) inklusive sich abzeichenender Zinswende. Die Spuren der „Kapitalflucht“ lassen sich sowohl aus den Aktien- als auch aus den Rentenmärkten und Lokalwährungen herauslesen.

Wenngleich alle diese Punkte nicht von der Hand zu weisen sind und eine wiederentdeckte Attraktivität des Abendlandes – also der entwickelten Märkte – derzeit als schick gilt, lohnt es sich meines Erachtens auf dem erreichten Niveau selektiv wieder über antizyklische Investments nachzudenken. Schließlich hat sich an der grundsätzlichen Argumentation „pro Schwellenländer“ (Demografie, Konsum, preiswerte Arbeitskräfte, Aufbau von Infrastruktur etc.) nichts geändert und müssen die den Chancen gegenüber stehenden Risiken als hinreichend bekannt angesehen werden.

Nach wie vor erscheint mir das Risiko, in den Schwellenländern langfristig investiert zu sein, kleiner, als ihnen nicht in angemessener Weise Rechnung zu tragen.

Dieser Artikel erschien am 24.06.2015 auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit „Return: Der Investmentkommentar“ Ereignisse aus der Fondswelt.