„NIX“ (nichts)

26 Jun

Drei Buchstaben, gelassen ausgesprochen aus dem Mund des Leiters der Kapitalmarktanalyse einer großen deutschen Investmentgesellschaft im Rahmen einer von mir unlängst moderierten Podiumsdiskussion. Sie bringen auf den Punkt, was ein Anlageberater heute jenen Kunden zu bieten hat, die ihr Geld für drei Jahre anlegen wollen, zwei Prozent Rendite p.a. erwarten und dabei nicht bereit sind, zwischenzeitliche Kursverluste zu tolerieren: „NIX“

Danke für diese drei Buchstaben, Hans Jörg Naumer. Danke für diese Klarheit der Aussage in einem Punkt, um den sich in diesen Tagen weite Teile der deutschen Finanzindustrie und Beratungslandschaft auf der Suche nach Geschäft herumdrücken.

Dass hat nichts mit „Nestbeschmutzung“ zu tun, auch nicht mit „Defätismus“, allenfalls mit „Offenbarungsmethode“. Sollen keine unrealistischen Erwartungen geweckt werden, bleibt nur die Chance, das berühmte Kind beim Namen zu nennen und den Status quo zu erklären.

Im Niedrig- bis Negativzinsumfeld sind die risikoarmen Anlageformen bis auf weiteres ausgelutscht – erst recht in der Nach-Kosten-Betrachtung. Wer Geld anzulegen hat, ist förmlich dazu gezwungen, in den von Liquidität getrieben Märkten die Chance-Risikoleiter zu erklimmen.

Berater können vor diesem Hintergrund Anlegern, die verkrampft am nominalen Kapitalerhalt kleben, nur dann Perspektiven bieten, wenn sie ihnen helfen, sich ansatzweise aus der Komfortzone herauszubewegen. Will sagen: sie dafür gewinnen, ihre Bedürfnisse zu überdenken, Beträge zu strukturieren und zumindest mit Teilen ihrer Gelder in komplexere Rentenstrategien und Aktien zu investieren. Gelingt es ihnen nicht, sind sie besser beraten, auf das Geschäft zu verzichten und die Anleger anderenorts ihre Erfahrungen sammeln zu lassen.

Erschienen in der Print-Ausgabe von Das Investment