Value-Investoren haben es derzeit nicht leicht

17 Aug

Angesichts der fortschreitenden Inflationierung der Assetklassen fällt es Value-Investoren zunehmend schwerer, attraktive Investments zu identifizieren, die ihren Anforderungen – insbesondere Sicherheitsmargen – genügen. Wenig ist „preiswert“, noch weniger „billig“.

Viele sorgen sich zudem um die mit ihrem Anlagestil verbundene Werthaltigkeit in Frage kommender Investments, sehen sie diese doch in Relation zur risikoarmen Marktrendite. Tendiert diese mathematisch gegen Null, fehlt quasi die Basis ihrer Rechengrundlagen. Nun sammeln auch Value-Investoren, die sich für das europäische Anlageuniversum interessieren, Erfahrungen, die ihre Kollegen in Japan schon seit Jahrzehnten kennen.

Überdies macht vielen die starke Abhängigkeit der Kapitalmärkte von politischen und geldpolitischen Einflüssen zu schaffen. Nicht nur, dass teilweise elementare Marktgesetze ausgehebelt werden (z.B. „höhere Zinsen werden um den Preis größerer Risiken erkauft“ oder auch „Notenbanken sind unabhängig und der Stabilität des Geldes verpflichtet“), die Eingriffe verzerren die Märkte und werden zum dominierenden Treiber der Entwicklungen, dem die Mehrheit der Marktteilnehmer einseitige Beachtung schenkt.

Was Value-Investoren, die ihren Strategien treu bleiben wollen, von ihren Tugenden in diesem Umfeld am nötigsten brauchen, sind Geduld und Beharrlichkeit. Oft gehört in diesem Zusammenhang der Satz: „Es kann ja nicht immer so bleiben!“

Sicher richtig. Aber es könnte noch länger so bleiben, von woher sich Value-Strategien bis auf weiteres als Depotbeimischungen im Rahmen der Diversifizierung anbieten, als einzige Herangehensweise – quasi grundsätzliche Geisteshaltung – aber wenig hilfreich erscheinen.

Erschienen in der Euro am Sonntag