Abgetaucht?

25 Aug

„Funkstille“, „Tauchstation“, „Schweigen im Walde“

Es gibt sicher viele Worte für die in den jüngsten Marktturbulenzen um sich greifende Sprachlosigkeit vieler Asset-Manager.

Das Kontrastprogramm könnte dabei kaum deutlicher ausfallen. Hat sich doch die Mehrheit der Vermögensverwalter und Finanzdienstleister in der ersten Jahreshälfte, als die Kurse heiß liefen, noch förmlich darin überboten, sich auf allen Kanälen und in allen Formaten ihrer Leistungen der jüngeren Vergangenheit zu rühmen, die Kursziele hoch zu stecken und die Märkte wie Warzen zu besprechen. Statements hier, Pressemitteilungen und Interviews dort, Anlegerinformationen und Berichte im Wochentakt. Nun ist von den meisten wenig bis nichts zu hören, – da wo noch gefunkt wird, vernimmt man häufig mehr Plattitüden, Platzhalter und Durchhalteparolen als Positionen, Perspektiven und vor allem Handlungsalternativen und Empfehlungen.

Woran liegt das?

Vielleicht an der Urlaubsphase? Vieler Personen, die jetzt etwas kommentieren sollten oder es verbreiten müssten, wird man gerade nicht habhaft. Liegt es an dem Tempo, in dem sich die Marktereignisse gerade überstürzen? Was man eben noch sagen oder schreiben wollte, ist schon kurze Zeit später sprichwörtliche Kriegsgeschichte und überholt. Ist es die Sorge, mit Einschätzungen, Beurteilungen und Prognosen jetzt falsch liegen zu können und gegebenenfalls Fehler des eigenen Vorgehens und Versäumnisse in den letzten Wochen eingestehen zu müssen? Könnte sein. Will man die Anleger nicht beunruhigen? Die meisten sind es längst! Möchte man nicht mit schlechten Meldungen assoziiert werden? – Verständlich, aber wenig hilfreich. Wird der Ernst der Lage als weniger dramatisch verstanden? Eine Frage der Perspektive. Wird das Informationsbedürfnis der Anleger falsch eingeschätzt? Ganz bestimmt. Ein oberflächlicher Blick in die sozialen Netzwerke reicht aus, um das in diesen Stunden zu verstehen.

Was folgt daraus?

Im Zuge dieser Entwicklungen haben viele Finanzdienstleister und Investmenthäuser leider einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, dass sie immer noch nicht verstanden haben, was sich die Anleger und insbesondere ihre Kunden unter „Information“ und „Kommunikation“ gerade in Krisenzeiten vorstellen. Viele Anleger fühlen sich unzureichend informiert und allein gelassen. Sie wollen verstehen, was ihre Verwalter über das Marktgeschehen denken, wie sie positioniert sind, welche Szenarien sie erwarten. Und zwar ohne Anspruch auf die „Glaskugel“ und die wahre Lehre. Soviel Verständnis von der Börse bringt die Masse schon mit sich. Mancher fände es wahrscheinlich sogar schon beruhigend, auf diesem Wege dokumentiert zu bekommen, dass sein Verwalter den Kurssturz überhaupt mitbekommen hat.

Der Schaden aus dem vielerorts zu beobachtenden Fehlverhalten wiegt schwer und dürfte auch von daher nachhaltig sein, als viele Anbieter als Lehre aus den vergangenen Vertrauenskrisen ihren Kunden eben diese jetzt erwartete verbesserte Kommunikation in Aussicht gestellt haben, nun aber scheinbar rückfällig werden. In diesem Zusammenhang verfestigt sich leider stellenweise der schon gewonnene Eindruck des „Schönwetterfondsmanagements“, der passiven Anlagelösungen weiter in die Hände spielt.

Dieser Fondsgedanke versteht sich ausdrücklich weniger als Schälte der Anbieter, sondern als Verstärker des vielfach zu vernehmenden Anlegerchors, der seine Asset-Manager bittet, aus der Deckung zu kommen, Flagge zu zeigen und Farbe zu bekennen. Geringere Mittelabflüsse und das Geschäft von morgen werden es ihnen danken.