Zillmerung im Rückwärtsgang

29 Sep

Für die einen war sie die größte Errungenschaft der Finanzindustrie nach der Erkenntnis des Zinseszins und ermöglichte erst eine flächendeckende Finanzberatung. Für die anderen ist sie eine nachhaltige Wettbewerbsverzerrung, ein organisierter Anschlag auf das Verbrauchervertrauen und ein Belastungsfaktor für die Altersvorsorge der Deutschen. Die Rede ist von der Zillmerung.

Verstehen wir sie an dieser Stelle einfach einmal als die vorfinanzierte Verprovisionierung zukünftiger vertraglich vereinbarter Spar- und Prämienleistungen zum Zinsnachteil des Kunden.

In einer zunehmend aufgeklärteren Verbraucherschaft und transparenteren Finanzwelt, die vom Wunsch nach Flexibilität und niedrigen Kostenbelastungen getrieben ist, hat die Zillmerung mittlerweile einen erkennbar schweren Stand; – den einen zur Freude, den anderen zum Leid.

Zu welcher Seite man persönlich auch tendiert, die Konsequenzen dieser Entwicklung reichen weit und werden deutliche Spuren in der Branche hinterlassen. Sie werden beispielsweise die Attraktivität einzelner Anlage- und Versicherungslösungen aus Berater- und Vermittlersicht und damit Vertriebssteuerungsfunktionen verändern.

Die Fondsindustrie, mithin der Sparplan könnte im Wettbewerb davon profitieren, zumal das Investmentgesetz der Vorausbelastung von Kosten für langlaufende Sparpläne schon vor einigen Jahren enge Grenzen setzte. Die Zurückhaltung der Verbraucher gegenüber gezillmerten Lösungen wird aber darüber hinaus auch die Markteintrittsbarrieren für junge Finanzdienstleister deutlich anheben, die sich in der Vergangenheit in Ermangelung größerer Bestände mit entsprechenden Vertragsabschlüssen über die Runden bringen konnten. Neben den „Einzelkämpfern“ wird sich der Effekt zunächst vor allem bei Groß- und Strukturvertrieben auswirken, in der Summe später im Gesamtmarkt.

Erschienen in der Print-Ausgabe von Das Investment