(Il)Liquidität: Von den „Großen“ lernen

25 Nov

Wie wichtig „Liquidität“ als Anlagekriterium ist, weiss man immer erst dann, wenn man seine Anlageform tatsächlich verkaufen will oder muss.

Eine aktuelle Studie der Union Investment unter institutionellen Anlegern zeugt dieser Tage von einer abnehmenden Bedeutung der Liquidität und einem wachsenden Renditedruck dieser Anlegerschicht. Dominierend bleiben für die Investoren Sicherheitsaspekte.

Gleichzeitig sorgen sich viele Investmenthäuser um die Liquidität ihrer Assets; – vor allem mit Blick auf Unternehmensanleihen und Anleihen schlechterer Bonität. Wie passen diese Dinge zusammen?

Betrachtet man das „magische Dreieck der Kapitalanlage“, – eigentlich ganz gut. Es erklärt, dass sich Risiko, Ertrag und Verfügbarkeit gegenseitig bedingen. Will ich einen der Faktoren optimieren, muss ich Zugeständnisse an anderen Punkten machen. Die berühmte „Eier-legende-Wollmilch-Sau“ gibt es nicht.

Das Studienergebnis belegt, dass die institutionellen Investoren Zugeständnisse bei der Liquidität (Verfügbarkeit) machen, um ihre Renditeziele – vielleicht sollte man in vielen Fällen besser von „Renditeverpflichtungen“ sprechen – nicht aus den Augen zu verlieren. Angesichts der schrittweise auslaufenden höheren Zinskupons aus früheren Tagen wird der Druck zunehmend höher. Umso mehr, als institutionelle Anleger an der Risikobereitschaft (Schwankungen, Ausfallrisiken) angesichts ihrer Reglementierungen traditionell wenig ändern können – selbst wenn sie es wollten.

Und wie macht man nun Zugeständnisse bei der Liquidität als institutioneller Investor? Beispielsweise durch höhere Gewichtungen von Immobilien und alternativen Investmentstrategien wie Hedgefonds und außerbörslichen Beteiligungen wie „Private-Equity“.

Als „Kleiner“ hat man es da besser als die „Großen“. Privatanleger sollten die Tatsache, dass sie so investieren können, wie viele institutionelle Anleger gerne würden, aber nicht dürfen, für sich zu nutzen wissen: Stichwort höhere Aktienquoten. Das mag sich kurzfristig im Portfolio durch höhere Kursschwankungen bemerkbar machen, was quasi den Preis für die jederzeitige Verfügbarkeit (Liquidität) darstellt, dürfte sich aber schon mittelfristig in Form angemessener Renditen auszahlen. Ist der verbleibende Anlagehorizont lang genug, ist das Risiko kleiner als die Schwankungen suggerieren.

Dieser Artikel erschien am 25.11.2015 auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit „Return: Der Investmentkommentar“ Ereignisse aus der Fondswelt.