Von Tankern in Yachthäfen

23 Dez

Etwa 50 Prozent der Mittelzuflüsse, die Publikumsfonds in den ersten acht Monaten dieses Jahres auf sich vereinen konnten, sollen dem Vernehmen nach im weitesten Sinne institutionellen Anlegern zuzurechnen sein. Woher man das so genau weiß? Diese Gelder flossen in börsengehandelte Indexfonds (ETF) und jene Anteilsklassen von Publikumsfonds, die angesichts ihrer Mindestanlagesummen institutionellen Anlegern vorbehalten sind.

Die Meldung als solche überrascht weniger als die Dimension, in die der schon seit geraumer Zeit zu beobachtende Trend mittlerweile hineingewachsen zu sein scheint. Er zeugt davon, dass die Absatzrekorde der Fondsindustrie in den vergangenen Jahren weniger von einer breiten Akzeptanz der Fondsidee in weiten Teilen der Bevölkerung getragen wird als vielmehr von einer zunehmenden Industrialisierung der Fondsindustrie. Der große Fußabdruck institutioneller Anleger abseits des ihnen vorbehaltenen und zugedachten Segmentes für Spezialfonds, in dem derzeit mehr als 1,43 Billionen Euro verwaltet werden, sollte im Auge behalten werden und ist aus unterschiedlichen Gründen mit Vorsicht zu genießen. Margendruck und Abhängigkeiten, die von dieser Anlegerschicht auf die Produktanbieter ausgehen, sind dabei aus meiner Sicht noch von nachgeordneter Bedeutung

Schwieriger erscheint da aus der Perspektive der Verbraucher schon der Umstand, dass sich die Institutionellen, bezeichnen wir sie einmal als „Tanker“, auf diesem Wege in einigen aktiv gemanagten Fonds bisweilen Flexibilität zu Lasten „kleinerer Schiffe“ erkaufen, die ihnen in Spezialfonds so nicht oder nur bedingt gegeben ist. Knifflig wird die Lage immer dann, wenn institutionelle Anleger durch riesige und bisweilen sogar konzertierte Zahlungsströme Anlagestrategien verwässern, Transaktionen erschweren und in extremen Situationen sogar den sprichwörtlichen Stöpsel aus der Wanne zu ziehen drohen.

Anders formuliert: Schauen Sie doch einfach mal bisweilen nach links und rechts, wer sonst noch neben Ihnen in bestimmten Yachthäfen festgemacht hat oder gerade einläuft und fragen Sie sich, welche Bugwellen sein erneutes in See stechen oder Kommen auslösen dürfte.

Dieser Artikel erschien am 22.12.2015 auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit „Return: Der Investmentkommentar“ Ereignisse aus der Fondswelt.