Nestbeschmutzung sieht anders aus

18 Mai

Viele prominente Vertreter der Fondsindustrie echauffieren sich über die Kostenstrukturen aktiv gemanagter Fonds – und handeln sich dadurch Kritik von Wettbewerbern ein. Doch Nestbeschmutzung sieht anders aus.

Investment-Legende Warren Buffet, Vanguard-Gründer John Bogle und Alliance Bernstein-Vorstand Peter Kraus, um nur drei prominente Vertreter der Fondsindustrie zu nennen, die sich in diesen Tagen über die Kostenstrukturen aktiv gemanagter Fonds echauffieren.

Ihre Äußerungen sind inhaltlich nicht unbedingt originell. Sie bergen aber von daher erheblichen Zündstoff, als sie mit Blick auf den Kreis der Absender in der Öffentlichkeit auch als stellvertretendes Schuldeingeständnis der Branche interpretiert und von Wettbewerbern als „Nestbeschmutzung“ eingestuft werden könnten. Legitimieren sie doch förmlich die von Verbraucherschützern und Medien immer wieder pauschal vorgetragene Kritik an der Preispolitik vieler Asset Manager. Das verschafft der Thematik zusätzliche Aufmerksamkeit und verstärkt, um in revolutionären Jargon zu verfallen, den „Druck von der Straße“.

Die Botschaft ist eindeutig: Die aktiven Asset Manager zeigen vielfach in der Weise parasitäre Verhaltensweisen, als sie sich, ohne Nutzen zu stiften, an Anlegergeldern bereichern. Zudem haben sie es mehrheitlich versäumt, die Ausrichtungen und Kostenstrukturen ihrer Produkte dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld anzupassen. Bleibt es dabei, rollen zwar keine Köpfe, werden sich die Verbraucher aber – noch mehr als bereits heute zu beobachten – vom aktiven Fondsmanagement ab- und passiven Anlagestrategien zuwenden. Auf diesen Umstand hinzuweisen, hat in meinen Augen mit „Nestbeschmutzung“ nichts zu tun, allenfalls mit Realismus.

Dieser Artikel erschien am 17.05.2016 auf www.boerse-online.de

Für Börse Online kommentiert Björn Drescher wöchentlich mit “Return: Der Investmentkommentar” Ereignisse aus der Fondswelt.