Hantel-Strategie

11 Aug

Mit „Hantel-Strategie“ umschreiben Mischfondsmanager bisweilen einen Ansatz, der sie defensive Anlagen zugunsten größerer Kassen ausblenden lässt. Einer Hantel gleich fungiert die Cash-Position als Stange, an deren Enden vielversprechendere Ertragsbringer mit höheren Risiken befestigt sind, – z.B. Aktien und High-Yield Anleihen. Der Kasse, die in der Regel kein Ausfallrisiko, aber auch keinen Ertrag und nur geringen negativen Zins kennt, kommt die Aufgabe zu, die Risiken zu kompensieren.

Warum sich Asset-Manager auf diesen „Kraftakt“ einlassen, liegt auf der Hand. Den überschaubaren Ertragschancen defensiver Anlageformen stehen immer öfter unangemessene Risiken gegenüber. Spätestens die Emission einer zehnjährigen Bundesanleihe mit Nullkupon vor kurzem sollte vor Augen führen, wie schwer es heutzutage ist, mit „defensiven“ / „konservativen“ Portfoliolösungen Geld zu verdienen; – erst recht nach Kosten. Geldmarkt-, Kurzläufer- und Garantiefonds zeugen von dieser Entwicklung, ebenso auf Anleihen guter Bonität spezialisierte Rentenfonds. Zuletzt enttäuschten zwischenzeitlich sogar beigemischte alternative Investmentstrategien.

Was können Anleger lernen? Sie sollten den strategischen Nutzen „defensiver“ und vergleichsweise „kurzfristig“ orientierter (Fonds-) Anlagen kritisch hinterfragen und erkennen, dass dieses Anlageuniversum auszutrocknen droht. Das Renditepotenzial sinkender Marktzinsen, ungestraft verlängerter Restlaufzeiten und geduldeter Bonitätsverschlechterungen im Portfolio ist endlich. Wer sich kurz- bis mittelfristig keine zwischenzeitlichen Verluste leisten kann oder will, verzichtet daher auf defensive Fondslösungen und lässt dieses Geld in der Kasse. Angelegt wird nur, was langfristig arbeiten darf und Kursschwankungen nicht scheut.

Erschienen in der Euro am Sonntag