Wegweisende Hochzeit

11 Okt

World Business teamwork puzzle piecesDie gerade angekündigte Fusion der Vermögensverwalter Henderson Group und Janus Capital sollte weniger als Liebesheirat denn als wegweisende Zweckehe verstanden werden. Sie zeugt von jenem gewaltigen Druck, dem die Finanzinstitute weltweit angesichts der zeitgleichen Belastung durch das Niedrigzinsumfeld, die Finanzmarktregulierung, die Digitalisierung und den Trend zu passiven Anlagestrategien ausgesetzt sind.

Das Beispiel dürfte schon bald Schule machen. Schließlich hegen viele Wettbewerber in vergleichbarer Situation unter dem Druck ihrer Eigentümer ähnliche Gedanken und könnten früher oder später zu vergleichbaren Schlüssen kommen. Es geht um Absatzmärkte, Personal- und Kundenstrukturen, Produktgruppen sowie die Diversifikation und Optimierung von Geschäftsmodellen. Die Zauberworte in diesem Zusammenhang lauten: „Größe“, „Assets under Management (AUM)“, „Synergien“, „Skaleneffekte“, „Cross-Selling“ und vor allem „Einsparungspotenzial“.

Henderson und Janus kündigen an, im Falle des Zusammenschlusses jährlich mehr als 110 Mio. US-Dollar einsparen zu können. Klingt dieser Wert absolut schon hoch, scheint er die Aktionäre beider Häuser in Relation zum letzten addierten Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen in Höhe von 770 Mio. US-Dollar regelrecht zu elektrisieren. Die Kurse beider Gesellschaften stiegen nach Bekanntgabe der Fusion sprunghaft an.

Seit Jahren schon wird von vielen Beobachtern in der Asset Management-Industrie ein massiver Konzentrations- und Verdrängungsprozess erwartet, der den Markt in riesige „Global Player“ und effiziente „Spezialisten“ spaltet und all jene Unternehmen bedroht, die sprichwörtlich zu klein sind, um mit den ganz großen Hunden das Bein zu heben, im Umkehrschluss aber schon zu groß sind, um sich noch als leistungsstarker Nischenplayer zu positionieren. Ließen sich bisher nur vereinzelte Indizien für diese These beobachten, mehren sich die Anzeichen nun allem Anschein nach. Man denke nur an die Übernahmen der letzten Monate, die geplatzte Fusion der Asset Manager Pioneer und Santander und die zwischenzeitlichen Annährungsgespräche der Deutschen Bank und der Commerzbank.

„Alles ist im Fluss“, „es gibt keine Denkverbote mehr“, „jeder Stein wird umgedreht“, „wir haben das Haus voller Unternehmensberater“, heißt es denn auch immer öfter aus den Vorstandsetagen jener Häuser, die in einer transparenter werdenden Branche, die von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt mutiert, unter dem Margendruck, den regulatorischen Kosten und den anstehenden IT-Investitionen am meisten leiden.

Kurzum: die Konsolidierungswelle baut sich langsam aber sicher auf. Sie wird noch manche spektakuläre Nachricht in den kommenden Jahren mit sich bringen und viele Arbeitsplätze unter sich begraben.

Dieser Artikel erschien auf www.boerse-online.de