Margin Call mal anders

28 Okt

Unter einem „Margin Call“, also dem Wertausgleich, versteht man im Börsensprachgebrauch bei kreditfinanzierten Investitionen die Aufforderung der Bank, zusätzliche Sicherheiten zu bieten, wenn Wertgrenzen unterschritten werden. Einfacher formuliert: Nachzahlen oder zusätzliche Werte beleihen!

Gemeinhin wird der „Margin Call“ mit Spekulationsgeschäften verbunden. Was Inhabern von Pensionsansprüchen derzeit bisweilen an Schriftverkehr von ihren Kassen ins Haus flattert, erinnert ebenfalls an einen Margin Call, hat aber mit Spekulation gleichwohl nichts zu tun. Kurz und schmerzlos wird erklärt, dass sich einzelne Pensionskassen schon heute angesichts des Niedrigzinsumfelds außerstande sehen, die bisher prognostizierten Erträge und Zusagen für zukünftige Beitragszahlungen zu gewährleisten. Frei nach dem Motto: „Eingeloggt! Bis hierhin und nicht weiter! Wollen Sie über die vorher vereinbarten Leistungen am Ende der Beitragszahlungsdauer verfügen, müssen Sie ab sofort mehr zahlen“ – man könnte auch sagen „nachschießen“.

Betrachtet man sich die vorgeschlagenen Kalkulationen, wird schnell deutlich, dass die Probleme allenfalls verschoben, keineswegs aber behoben werden. Ruft man sich in Erinnerung, dass unvorteilhafte Geldanlagen nicht dadurch besser werden, dass man länger oder mehr einzahlt, wird schnell deutlich, dass ein Aktienfondssparplan in gleicher Höher angesichts der verbleibenden Anlagehorizonte zumeist die bessere Wahl sein dürfte.

Erschienen in der Print-Ausgabe von Das Investment