ETF: Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder

22 Nov

Abbreviation ETF made from dollar banknotes on white background

Nicht erst seit gestern tobt in der ETF-Industrie ein Preiskampf um die Gunst der Freunde passiver Anlagestrategien: hier noch ein Basispunkt weniger, da noch einer und dort tauscht man einen Indexanbieter gegen einen noch preiswerteren aus. Dabei läuft das Dumping nicht selten in Form von Runden: ein Anbieter marschiert vor und zwingt die anderen förmlich dazu nachzulegen: Schließlich ist der Markt extrem transparent und effizient, vor allem mit Blick auf die stark frequentierten Anlageuniversen, in denen der größte Umsatz stattfindet.

Zu allem Überfluss ist die Nulllinie in ersten Produkten annähernd erreicht (Mischkalkulationen und die Wertpapierleihe machen es möglich) und lässt sich das verloren gegangene Margenniveau im „Plain Vanilla Indexing“ vermutlich auch nicht wieder ausweiten. Eine schlechte Nachricht für das Geschäft von Morgen. Es steht zu erwarten, dass schon bald einzelne Global-Player dieses von Skaleneffekten geprägte Geschäft dominieren und versuchen werden, über „Smart Beta“ und „Intelligent Indexing“ wieder Spass daran zu finden.

In diesem Zusammenhang sollte sich kein Anbieter überrascht zeigen oder beklagen. Hier rächt sich die fast penetrant zu nennende einseitige Argumentation für passive Strategien über den Preis. Am Ende dieser Diskount-Spirale werden die Oligopolisten mit dem längsten Atem gewinnen und wird die Revolution, wie so oft, viele ihrer eigenen Kinder gefressen haben.

Erschienen in der Print-Ausgabe von Das Investment