(Bargeld-) Hortung

23 Nov

Viele verschiedene Euro Geldscheine. Symbolfoto für Reichtum und Geldanlage.

Wenn man hört, dass der durchschnittliche Deutsche rund 1.800 Euro Bargeld zuhause aufbewahrt und damit statistisch etwa 500 Euro mehr als noch im Jahre 2013, hat das für mich mehr mit „Hortung“ als mit „Sparen“ zu tun. Es sagt zudem viel über die Entwicklung des Vertrauens in das Finanzsystem und jenen Kollateralschaden aus, den das Niedrigzinsumfeld über sinkende Zinsen und steigende Bankgebühren mittlerweile angerichtet hat.

Rufen wir uns dazu noch einmal in Erinnerung, was man unter Hortung versteht: „…Gegenstände oder Sachen wegen ihrer Kostbarkeit oder Knappheit zu sammeln und über den Eigenbedarf (bis zur möglichen Wiederbeschaffung) hinausgehend als Vorrat anzulegen“.

Um gut 40% soll verschiedenen Studien zufolge der Bargeldumlauf in Deutschland seit 2013 inzwischen angewachsen sein. Mit organischem Wachstum hat das wenig zu tun. Zumal die Deutschen ihre Einkäufe immer häufiger in digitaler Form über Bezahlsysteme unbar abwickeln. Eher schon damit, dass Krisenfälle und Kontrollen des Geldverkehrs – wie in Griechenland und Zypern – sowie ständige Diskussionen über die Zukunft des Eurowährungsraums die deutschen Anleger zutiefst verunsichern.

Viele scheinen da das alte Pfadfinder-Motto mahnend vor Augen zu haben: „Allzeit bereit“. Die jederzeitige Handlungsfähigkeit und Liquidität von Vermögensteilen scheint Trumpf zu sein. Umso mehr als die entgangene Verzinsung im Sinne von Opportunitätskosten nicht als Verlust empfunden wird, keine konkrete Inflationsangst herrscht und die Lagerung von Bargeldern in Schließfächern bei Banken offiziell begrenzt ist und zuletzt auch mehr oder weniger systematisch verteuert wurde.

Eine derartige Entwicklung ist ungeachtet eines gewissen Verständnisses und damit verbundener Sympathie für die ihr zugrunde liegende Motivation aus mindestens einem Grund kritisch zu hinterfragen: schließlich wird in Deutschland alle vier Minuten irgendwo eingebrochen und ist Bargeld zumeist unzureichend versichert.

Dieser Artikel erschien auf www.boerse-online.de