Risikoklasse nicht in Stein gemeißelt

24 Jan

Seit 2011 bereichert der „Synthetic Risk and Reward Indicator“ (SRRI), der unter anderem Kernbestandteil der „Wesentlichen Anlegerinformationen“ ist, die europäische Fondsvertriebslandschaft. Das Risikomaß soll es Anlegern und Beratern erleichtern, individuelle Bedürfnisse den Chance-Risiko-Profilen einzelner Produkte zuzuordnen und diese wiederum besser untereinander zu vergleichen.

Dabei wird gerne übersehen, dass die Einordnung eines Fonds in die sieben Klassen des SRRI keineswegs einen einmaligen Vorgang darstellt, sondern sich auf die laufende Berechnung der historischen Volatilität des Produktes in den vergangenen fünf Jahren stützt. Will sagen: verändert sich die Volatilität, passt sich der SRRI dem an; – zeitlich versetzt und mit gewisser Trägheit, was durchaus im Sinne des Erfinders liegt (daher die 5 Jahres-Vola).

Sollte diesem Umstand grundsätzlich Beachtung geschenkt werden, kommt ihm im aktuellen Marktumfeld und gerade bei defensiven Fondsanlagen eine besonders große Bedeutung zu. Schließlich sind viele Manager angesichts niedriger Zinsen derzeit versucht, im Sinne der Ertragsoptimierung größere Risiken als in der Vergangenheit einzugehen, – sei es nun bezüglich der Höhe der Aktienquoten, der Bonität von Emittenten, der Laufzeit von Anleihen oder auch möglicher Währungsgeschäfte.

Wer seine Risikobereitschaft als Anleger vorrangig über die Schwankungsbreite von Fondskursen definiert und sich entsprechend orientiert hat, sollte sich von Zeit zu Zeit also vergewissern, dass seine Produkte nicht mutieren. Berater und Institute müssen entsprechende Prüfungen sogar in ihren Routinen und Prozessen implementieren. Schließlich können falsche Zuordnungen bei der Anlage-/ Abschlussvermittlung Haftungen nach sich ziehen, erst recht im Falle von Nachberatungsverpflichtungen laufender Mandate.