„Denken-Drücken-Sprechen“

17 Feb

„Denken-Drücken-Sprechen“

So lautet eine alte Regel, die im Funkverkehr dazu anhält, sich als Teilnehmer kurz und präzise zu fassen, mithin diszipliniert zu verhalten, wenn man etwas über den Äther schickt.

Im Zuge der geplanten Telefonaufzeichnungen für die Finanzberatung werden sich Finanzinstitute wie z.B. Banken und ggf. auch freie Berater entsprechender Regeln und Tugenden schon bald besinnen und sie in ihren Prozessen implementieren müssen, um Haftungsrisiken auf ein Minimum zu beschränken. Zu leichtfertig werden in der Praxis bisweilen Aussagen getroffen, insbesondere im Hinblick auf die Schilderung von Risiken, Zusammenhängen und zu erwartende Renditen; – schließlich will man den Kunden ja auch zu einem Abschluss bewegen.

Allem Anschein nach geht Deutschland bei den Aufzeichnungspflichten über die Brüsseler Anforderungen, die vor allem auf die dauerhaft überprüfbare Richtigkeit der Ordererteilung und -umsetzung abzielen, ganz bewusst hinaus. Die im Rahmen des FiMaNoG geplanten Änderungen im WpHG verpflichten mehr oder weniger zur kompletten Aufzeichnung der Kundenkommunikation, inklusive der Aufklärungsgespräche und aller zur Order führenden Erläuterungen.

Die Aufzeichnungspflicht der Gespräche träfe die Institute vor allem von daher an einer empfindlichen Stelle, als sich der Beratungsalltag im digitalen Zeitalter immer häufiger vom physischen Gespräch zu Gunsten von (Bild-) Telefonaten verlagert. In diesem Zusammenhang steht zu erwarten, dass die telefonischen Beratungen inhaltlich, im Umfang und mit Blick auf Handlungsempfehlungen noch stärker standardisiert und reduziert werden als ohnehin bisher schon zu beobachten ist. Liegt diese sich abzeichnende Entwicklung, die im Ergebnis eher den Verkauf von Finanzprodukten fördern dürfte (im Sinne der eigenständigen Auswahl der Kunden aus Angeboten) als eine individuelle Fragen und Bedürfnisse berücksichtigende Beratung der Anleger im Sinne des Gesetzgebers?