Informationspolitik im MiFID II-Zeitalter

3 Apr

„Wollte ich es so genau wissen?“, das wird sich mancher Anleger fragen, der in diesen Tagen nach einem Erst-Finanzberatungsgespräch völlig ermattet von seinem Vermittler oder seiner Bank nach Hause wankt. Schließlich hat er diverse Befragungen, Aufklärungen, Erklärungen und Belehrungen zur Kenntnis genommenen, unzählige Dokumente wie Basisinformationen, Schlüsselinformationsblätter und Verkaufsprospekte ausgehändigt oder zumindest angeboten bekommen und eine Menge Unterschriften geleistet.

Um alles zu lesen und zu verstehen, was er bestätigt hat, gelesen und verstanden zu haben, bräuchte er eigentlich Tage. Hatte er nicht einen Finanzberater / Bänker ausgesucht, um sich eben diese detaillierte Beschäftigung mit dem Thema zu ersparen? Hätte er es so genau wissen wollen, könnte er schließlich auch als „Selbstentscheider“ über eine Direktanlagebank ohne Berater handeln.

Warum fragt ihn sein Autohändler eigentlich nicht, welche Marken und Typen er in seinem Leben schon gefahren hat, wie leicht oder schwer ihm das im Einzelfall fiel, wieviel Punkte er in Flensburg hat, wie schnell er zukünftig zu fahren denkt, ob er sich das Fahrzeug im Verhältnis zu seinem Einkommen und seinen laufenden Verpflichtungen überhaupt leisten kann? Die Höhe des Anschaffungswertes des Fahrzeugs entspricht in etwa der Anlagesumme, um die es aktuell geht.

Warum mußte er in der Zielmarktbeschreibung bestätigen, dass er einen Verlust bis zur Höhe seiner Anlage akzeptiert, obwohl er das nicht will und ihm der Berater versichert hat, dass so etwas über den geplanten Anlagehorizont auch nicht passieren wird?
Und was soll er mit den Kostenausweisen anfangen? 1,5% laufende Kosten für seinen Fonds, ist das nun günstig oder teuer? Ohne die Kenntnis der gesamten Bandbreite von der billigsten bis zur teuersten Handlungsalternative sind derartige Zahlen vergleichsweise nichtssagend bis verwirrend. Erst recht, wenn der Anleger beginnt, Stundenlöhne ermitteln zu wollen und sie in Relation zum eigenen Einkommen oder denen anderer Berufe setzen zu wollen.

„Too much information“, man muss es so hart sagen. Und vor allem: immer noch schwer verständlicher Stoff, der da in Informationsblättern, Verkaufs- und Rechenschaftsberichten erarbeitet werden soll. Es wimmelt von Finanzfachbegriffen, Amts- und Rechtsdeutsch.
Es ist richtig, die Anleger in die Lage versetzen zu wollen, die Reichweite ihrer Entscheidung mit Blick auf die Chancen und Risiken beurteilen und die finanzielle Motivation des Beraters, ihm eine bestimmte Anlagelösung angedeihen zu lassen, verstehen zu können. Aber diese derzeit gelebte Praxis kann noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Bitte besser machen lieber Gesetzgeber, gleich ob Du in Brüssel oder Berlin sitzt.