Werden (Alb-) Träume war?

7 Aug

Vor Jahren sagte mir der Vorstand einer Investmentfirma einmal, wovor er Angst habe und wovon er manchmal nachts träume: „Dass man Investmentfonds bei Amazon kaufen kann und mir der Algorithmus nach dem Ordern von Anteilen auch noch erklärt „Kunden, die Fonds X kauften, interessierten sich auch für Produkte des Hauses Y. Die Rezensionen finden Sie hier“.

Seine Albträume dürften durch eine aktuelle „Bernstein-Studie“ förmlich befeuert werden. Sie sieht den Internethändler, der erstes Interesse für Bankdienstleistungen zeigt, mittlerweile auch bestens dafür gerüstet, in das Asset Management-Geschäft einzusteigen. – Perfekte Kundenbasis, so die Analysten, sind die 100 Millionen Kunden des „Amazon Prime-Service“. Als Ratschlag gibt man Jeff Bezos & Co noch mit auf den Weg, sich auf die Vermittlung von Asset Management-Dienstleistungen zu beschränken und keine eigenen Produkte zu konzipieren, mit denen man sich für den Fall negativer Entwicklungen identifizieren lassen müsste.

Am Ende des Tages könnten jene Faktoren und Entwicklungen, die wir unter dem Begriff „Robo-Advice“ diskutieren, den Vertrieb von „Kapitalanlagen“ nachhaltiger verändern als ihr Management. Die Amazon-Option ist da nur ein Beispiel von vielen. Bei genauerer Betrachtung treibt das Wealth-Management, dass sich angesichts Regulierung und Administrationsaufwand spürbar auf die vermögende Klientel fokussiert, das kleinteilige Massengeschäft den Online-Händlern regelrecht entgegen. Greift Amazon nicht zu, tut es ein anderer.

Der jüngste „Finanztest“ von Robo-Advisorn zeigt dabei, was schon klappt und woran noch zu arbeiten ist. Die Exploration des Status quo wurde mehrheitlich „gut“ bewertet, die Information „befriedigend“. Kritisiert wird der Portfolioaufbau. Das ließe sich ändern und ist nicht „Robo-Advice“-spezifisch.