Wie passt eigentlich der „Weltspartag“ noch in unsere Zeit?

31 Okt

Weltspartag

Alle Jahre wieder, aber schon kurz vor der Weihnachtszeit, findet sich im Veranstaltungskalender der Finanzbranche der „Weltspartag“ am 31. Oktober. Er lädt Kolumnisten wie mich förmlich dazu ein, ihn zum ersten oder wiederholten Male zu kommentieren. Und so habe ich angesichts des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes in den vergangenen Jahren schon viele Perspektiven auf diese Initiative eingenommen, mich beispielsweise in Vergleichen wie „Volksverdummung“ verstiegen und die Parallelen zum zeitgleich gefeierten Halloween-Fest gezogen. Ja, ich war sogar schon Testsparer mit meinem Sohn in Instituten und musste mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen, dass Kleingeld bisweilen heute gar nicht mehr vor Ort gezählt werden kann, sondern zu diesem Zwecke von Filialen an zentrale Einrichtungen verschickt werden muss.

Umso mehr fragt man sich da, wie der Weltspartag eigentlich noch in unsere heutige „zinslose“ und „digitale Welt“ passt. – Bringen Kinder zukünftig Pay-Backpunkte mittels Handy per Datenschnittstelle zur Bank?

Aber dann dämmerte es mir: „Es ist das Wort „Sparen“, das in einer Zeit, in der scheinbar alles, Immobilien, Reisen, Möbel, Wachstum von Firmen, Arbeitsplätze und sogar Staatshaushalte per Kredit finanziert werden kann, anachronistisch wirkt und gleichzeitig doch eine stille, wenngleich eindringliche Ermahnung zur Besinnung verkörpert.

Ist Sparen out? Hört man manchen vermeintlichen Wirtschaftsexperten zu, entsteht der Eindruck, nur immer neue Kredite könnten die Konjunktur und damit unseren Wohlstand retten: Kredite pumpen neues Geld in die Wirtschaft, Kredite lassen den Konsum nicht einbrechen und erst Kredite ermöglichen die so ersehnten Investitionen.
Und so finden Staaten, Unternehmen und Privathaushalte immer gute Gründe für immer neue Kredite. Wachsende Schuldenberge sind die Folge. Tatsächlich ist die ständige „Flucht nach vorn“ auf Dauer aber nicht nachhaltig. Im Gegenteil: Sie führt in die Sackgasse einer Überschuldung. Wer zu viele Schulden angehäuft hat, verliert die Handlungsfähigkeit. Spätestens wenn die Zinsen steigen. Bei Staaten gilt ein Schuldenstand in Höhe von einhundert Prozent des jährlichen Sozialprodukts als Obergrenze des Tragbaren. Für die Mitglieder der Europäische Währungsunion sollten es bekanntlich 60 Prozent sein. – Wo liegt die Grenze eigentlich für Privathaushalte?

Aber wo soll das Kapital herkommen, wenn nicht aus neuen Schulden? Wer spart, konzentriert sich bei seinen Ausgaben auf das Notwendige und das wirklich Sinnvolle. Schon das kleine „1 x 1 der Volkswirtschaftslehre“ weiß, das Sparen gleich Investieren ist. Der Kapitalstock einer Volkswirtschaftslehre erweist sich langfristig als wichtiger Produktionsfaktor. Wirtschaftswachstum auf Basis eines eigenen Kapitalstocks ist dauerhaft gesünder als der schnelle Boom mit geliehenem Geld. Auf die kurze kreditfinanzierte Freude folgt sonst der lange Katzenjammer.

So gesehen, passt der Weltspartag eigentlich wieder sehr gut in unsere Zeit.