Politische Börsen und ihre Beine

12 Nov

„Politische Börsen haben kurze Beine“ sagt ein altes Sprichwort. Es unterstellt, dass politische Entwicklungen fundamentale Daten immer nur vorübergehend überlagern und sie nicht nachhaltig beeinflussen. Aber ist das wirklich so, wird sich mancher Anleger in diesen Tagen fragen und vor allem die Fülle der politischen Faktoren beklagen, die auf den Märkten lasten: der Handelskrieg zwischen den USA und China, der Stand der BREXIT-Verhandlungen, die Exzesse italienischer Haushaltsplanungen und die Vielfalt andauernder Sanktionen, von der unsicheren Zukunft der „Großen Koalition“ in Berlin ganz zu schweigen. Gibt es eine solche pauschale „Mean Reversion“, eine „Oszillation“ um die Fundamentaldaten herum tatsächlich?

„Nicht immer, aber in vielen Fällen“, muss die Antwort wahrscheinlich lauten. Wichtig scheint dabei vor allem die Empfehlung zu sein, die sprichwörtlichen Beine der Fälle nicht zu verwechseln. So zeichnet sich beispielsweise bei der Verschärfung von Handelszöllen zwischen den USA und China immer deutlicher ab, dass sich hieraus dauerhafte Belastungen entwickeln können, während die Meinungsverschiedenheiten der derzeitigen italienischen Regierung und der Europäischen Union vermutlich eher als ein vorübergehendes Kräftemessen mit absehbarer Kompromisslösung einzustufen sein könnten.

Dessen ungeachtet gewinnen Analysten, Fondsmanager und Banker Umfragen zufolge immer häufiger den Eindruck, dass der Einfluss politischer Entwicklungen auf ihre Investmententscheidungen wächst. Nicht nur, aber auch von daher als teilweise extremere Positionen in der politischen Debatte bezogen werden, die damit ggf. auch gravierendere Konsequenzen nach sich ziehen.

Vor diesem Hintergrund sollten politische Belastungen von Teilmärkten differenziert betrachtet werden, also weder in überstürzten Schutz- und Fluchtreflexen münden, noch einseitig als Opportunität verstanden werden, die automatisch zu ergreifen ist.