Investieren im Spätzyklus

8 Feb

Ungläubig habe ich mir die Augen gerieben, als ich das erste Mal „Tierisch gut investieren mit dem Allianz Pet and Animal Wellbeing“ las. Dabei bin ich nach über 25 Jahren in der Finanzindustrie eine ganze Menge gewohnt und habe schon so manche Fondsgeburt begleitet. Direkt stand die Frage im Raum, ob es sich hier um eines der Produkte handelt, derer die Welt nicht wirklich bedarf oder um einen der erfolgreichen Themenansätze, der Wasser, Biotechnologie, Climate, Clean Technology und Robotics folgt. Die Zukunft wird klären, zu welcher der beiden Spezies der neue AGI Fonds gehört.

Das Unternehmen scheint mir bei der Auflage gleich in doppelter Hinsicht motiviert gewesen zu sein. Einerseits möchte man den Anlegern einen zyklusunabhängigen Wachstumsmarkt mit stabilen Renditen erschließen. Und die Geschichte von Haustieren, die angesichts der zunehmenden Urbanisierung und Überalterung der Gesellschaft zu Familienmitgliedern avancieren und damit höhere Ausgaben für Unterhalt, Pflege und medizinische Versorgung rechtfertigen, ist nicht nur schlüssig, sondern privat auch schon manches Mal selbst beobachtet worden. Indes sollten Anleger für sich klären, ob es für jeden plausiblen Trend eigener entsprechend spezialisierter Fonds bedarf oder ob seine Berücksichtigung und das Timing nicht vielleicht doch besser die Sache breiter streuender Vermögensverwaltungslösungen bleiben sollte.

Andererseits ist man anscheinend daran interessiert, neue, Themen affine Kundenzielgruppen für Aktieninvestments zu begeistern. Ein lohnender Plan, wie die Zahl von bundesweit geschätzten 40 Millionen Haustierbesitzern belegt, aber auch einer mit ungewissem Ausgang, wie frühere, ähnlich gelagerte Versuche zeigen, mittels Strategien auf das Konsumverhalten von Jugendlichen, Frauen oder Bewohnern der Schwellenländer abzustellen.

Wir halten fest: Man kann für jeden identifizierten Trend ein neues spezialisiertes Themeninvestment auflegen. Man muss es aber nicht! Die Auflage des Fonds zeugt in meinen Augen von einem fortgeschrittenen (späten) Stadium des Börsenzyklus, in dem Anbieter und Anleger auf der Suche nach unkorrelierten Anlagen fast schon traditionell experimentierfreudiger werden und einen gewissen Hang zum „Storytelling“ zeigen, der bisweilen mit Diversifikationseinschränkungen in den Anlageuniversen und Portfolios einhergehen kann.